Sonntag, 30. April 2017

diy & politix: über repräsentationen, geschlechtsrollen und schönheitsnormen

ihr lieben,

frau jule von diy or die hat diesen monat dazu aufgerufen, über das politische an der handarbeit zu bloggen. knapp vor ablauf des monats komm ich endlich doch noch dazu mich mal dran zu setzen.
so wie alles politisch ist, hat auch diy unglaublich viele politische aspekte.


...über den aspekt, dass es durchs selbernähen mehr ausdrucks-möglichkeiten für menschen mit unterschiedlichen körperformen gibt, habe ich zum beispiel hier einen längeren blogbeitrag geschrieben. dadurch, dass ich darüber blogge, diese schönen selbstgenähten kleidungsstücke an meinem schönen dicken körper präsentiere, möchte ich auch dazu beitragen, diese verdammten patriarchalen schönheitsnormen aufzubrechen. *fat feminism, yay* 

...ein anderer aspekt ist diese völlig absurde geschlechtliche zuweisung von bestimmten farben, stoffen, kleidungsstücken. ich hatte hier darüber geschrieben, dass es cool ist zu reflektieren, welche farbe man für personen welchen geschlechts warum vernäht. pink stinkt nicht, also klar kann ich auch rosa für mädchen vernähen - aber für jungs eben auch, für frauen, männer, non-binaries. lasst uns die verdammten geschlechterrollen dekonstruieren und die welt zum glitzern bringen, yay!

...puh die einleitung war jetzt voll lange. ich wollte heute etwas berichten aus meiner perspektive als nähende, feministische erzieherin.
kürzlich in der kita habe ich beobachtet, wie zwei jungs sich um eine große handpuppe stritten, mit der beide spielen wollten. weil sie an ihr zogen, entdeckte ich einen riss in der seitennaht unter dem shirt. ich wies die beiden darauf hin und sie beschlossen, dass die puppe operiert werden müsste. ich kramte eine recht große nadel und garn heraus und zeigte den kids wie sie das loch mit der hand (und mit recht großen, schiefen stichen *g*) zu nähen können. coolerweise wollte danach einer der beiden, mit der puppe spielen und der andere fand noch ein kleines herzkissen, das eingerissen war und wir nähten es.
etwas später, als die meisten kinder abgeholt waren, holte ich die  nähmaschiene heraus. ich hatte mich an das (billo-faschings-)prinzessinnenkleid erinnert, dass eingerissen war und nun schon ewig im regal darauf wartete reperiert zu werden. also zeigte ich den jungs wie das tretpedal zu bedienen ist und wir reparierten das kleid. 
durch diese zwei aktionen ist soviel rumgekommen. selbstwirksamkeit. ein aufbrechen der geschlechterrollen. nachhaltigkeit durch reparieren kaputter spiel- und verkleidungssachen. und nicht zuletzt auch die möglichkeit, dass sich auch die jungs endlich wieder als prinzessin verkleiden können...

...es gibt noch soviele aspekte, die ich gerne beleuchten würde, z.b. die möglichkeit von repräsentationen durch stoffdesigns. hochgeschätzte stoffdesignerinnen wie sarah jane und heather ross haben immer mal wieder stoffe bei denen z.b. mädchen auf bäume klettern. oder auch nicht alle der kinder weiß sind. das gilt auch für den coolen michael-miller-superheldinnen-stoff, wo superheldinnen of color abgedruckt sind.
- representation matters.
das gilt für die coolen weiblichen ghostbusters, für Schwarze superheldinnen, für dicke models, für queere romanfiguren, für jungs und männer in röcken und kleidern...



...das gilt auch für roller derby. gestern nämlich war ich zum ersten mal bei einem roller derby scrimmage. es war grandios. bin fan!
und wie großartig es war die coolen frauen, mit unterschiedliechsten körperformen die sich so cool durchkämpften!
und die kleinen mädchen die so fans waren, sich autogramme holten... wie gerne hätte ich in meiner kindheit solche role models gehabt und wie sehr freu ich mich für die mädchen, die heute solche haben können.

bin jetzt etwas abgeschweift, oder vielleicht auch nicht.
ob durch kleidung, stoffe, farben, filme, bücher, sport, blogs, comix, musik... representation matters! auf dass viele verschieden realitäten lebbar sein können. für mädchen. jungs. frauen. männer. nonbinaries. alles für alle!



denn ich will und ich will und ich will, dass es alles gibt, was es gibt!

machts gut.
***
lisa.
***

p.s.: die bücher sind alle gekauft, gelesen und nun in meinem regal, der aufnäher ist von trouble x, der flyer von der veranstaltung. das kleid vom ersten foto hab ich hier gezeigt, die polaroid-quiltblöcke hier und die glitzer-schachtel hier.

Kommentare:

  1. awwww!!!! das ist ja eine wundervolle geschichte aus der kita! großartig, dass du es zum roller derby geschafft hast. kann ich mir gut vorstellen, dass das etwas ist, was dir gefällt. und der letzte patch ist ganz besonders großartig! so einer würde sich auch super bei mir machen! danke für deinen beitrag! weiter machen!
    liebst,
    jule*

    AntwortenLöschen
  2. Da kann man nur sagen JA - ich ärgere mich immer mehr über diese Zuweisung von Rollen, hier gerade auch im Kiga. Keine Ahnung als Kind und Jugendliche und auch junge Frau habe ich einfach gemacht was ich wollte und war doch im Nachhinein betrachtet ständig von Klischees und Menschen umgeben, die mir sagten das sei alles nicht okay. Zum Glück war es mir immer wurscht. Ich hoffe ich kann einfach dadurch, dass ich so bin wie ich bin auch ein Gegenpol und vielleicht Vorbild sein für die Mädels heute (was in meinem Beruf als Lehrerin ja auch nicht ausbleibt). Ich bin dick,laufe immer noch in Jeans und T-Shirt rum, kann gut mit Technik, hab Bio/Chemie/Info studiert und unterrichte das auch, traue mich durchaus in Führung zu gehen, bin gern mit Kumpels unterwegs, mag Motoräder und Heavy Metal, die Natur und AufBäumeKlettern ... ach ich hoffe mein kleiner Mann macht einfach was er mag und lässt sich nicht von seinem Umfeld zu arg verbiegen ... wenn ich den Satz "das machen Jungs doch nicht ..." höre bekomme ich fast einen Anfall (ach ja, auch er liebt Handarbeiten :-) und eine Rosaphase hatten wir auch schon ... starker Beitrag - DANKE Ingrid

    AntwortenLöschen
  3. Was für eine wunderbare Kita-Geschichte. Ich bin sehr begeistert. Von den Jungs, von dir, von euren Möglichkeiten und Ideen, das neu Gelernte auch gleich umzusetzen.

    Die Repräsentation verschiedener Menschen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften - was habe ich mich in meiner Jugend danach gesehnt, verschiedene Möglichkeiten vorgestellt zu bekommen, wie ich ich sein kann. Und die alle okay wären.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

    AntwortenLöschen