Freitag, 29. September 2017

hm...freutag?! gedanken, aktivismus und diy

ihr lieben,

...nun also ist freitag. oder auch freutag wie es in der blogger_innen-welt so schön heißt. 5 tage ist die wahl nun her. mir fehlen immer noch die worte. nicht dass es nicht absehbar gewesen wäre, aber verdammte scheiße! düster sind die zeiten. heller können sie nur werden durch solidarität und mut! wir müssen lauter werden! und zuhören! nicht aber den besorgten bürger_innen und der afd. sondern marginalisierten stimmen, menschen, die die wahlergebnisse weitaus härter treffen, als z. b. mich mit meinen privilegien (weiß, deutscher pass, in hetero-beziehung).



...eine sehr gute liste dessen, was es nun zu tun gibt es bei diaspora reflektionen


...und jetzt sitz ich hier. überlege noch, welche widerstandsformen für mich und meinen aktivismus derzeit passen können. ich hab nicht soviel kraft zur zeit. doch davon möchte ich noch einiges irgendwo reinstecken, um den rassismus und die deutschtümmelei in diesem land zu bekämpfen. 


...und wie verdammt wichtig auch z.b. meine lohnarbeit, in zeiten wie diesen, ist: als erzieherin in einer kita in einem sogenannten "sozialen brennpunkt" (hmpf. finde den begriff irgendwie ziemlich ätzend. nutze ihn jetzt mal zum verdeutlichen, muss aber nochmal drüber nachdenken. dafür dass es brennt, sorgen andere.) und als WENDO-trainerin (das ist selbstverteidigung und -behauptung für mädchen und frauen)


...aber wir alle, egal ob und wenn ja, was wir arbeiten oder ob wir in anderen situationen in kontakt mit menschen kommen, können wichtige arbeit leisten. z.b. wenn wir nicht schweigen, wenn etwa im öffentlichen nahverkehr besorgte bürger_innen über geflüchtete hetzen. oder auf der arbeit, der kollege: "sowas wird man ja noch mal sagen dürfen", die tante, whatever. oder auch wenn nationalstolz sich in nähblogs breit machen sollte, da auch wortstark kommentieren! 
...und natürlich auch auf vielen anderen wegen... schreibend, demonstrierend, geld spendend, sich ehrenamtlich engagierend...


...gleichzeitig hab ich hier so diy-zeux rumzuliegen, das gezeigt werden will. das ich gemacht habe. worüber ich mich freue. ein outfit, ein paar streichholzschachteln, ein paar blöcke. kommt mir auch komisch vor. will und kann hier nicht weitermachen als wär alles in ordnung. es ist wahrlich keine flauschige welt da draußen. und es reicht auch nicht sich drinnen einzuflauschen.


...und doch brauch ich das auch selfcare-mäßig. das nähen und basteln, den austausch in der (nähblog-)community. schlaflose nächte mit der nähmaschiene bekämpfen, unruhige gedanken mit schere, kleber, papier. das ist auch wichtig. aktivismus und ausruhen. nicht zu sehr mit sich schimpfen, wenn eine_r mal keine kraft zu kämpfen hat, oder auch nur dafür aus dem bett aufzustehen.


düster sind die zeiten, lasst uns zusammenhalten. solidarisch und kämpferisch.

passt aufeinander auf.
***
lisa.
***
  
p.s.: bebildert habe ich den blogbeitrag mit bildern der oben genannten diy-projekte:

* mit den streichholzschachteln 28, 31, 39 zu den themen schweden (mit erinnerungen an den diesjährigen schwedenurlaub inside und einer schwedischen schachtel von frau jule), märchenhaft (mit wunderschönem neil gaiman-zitat) & i hate mondays (mit ein bisschen kapitalismuskritik) der großartigen a-streichholzschachtel-a-week-aktion bei frau nahtlust.

* mit meinem 6 köpfe-12 blöcke-quilt-september-block "bears paw" von einfach bunt. ein bisschen falsch bei den dreiecken, aber macht nix.

* mit meinem outfit für den wiederholungstäter_innen-sew-along bei h-m & c. ich hab mal wieder ne frau rieke leggings genäht. (hier seht ihr nr.1, nr.2, nr.3, nr.4.) und zum 2. mal einen lybstes-ballonrock (hier hab ich den ersten gezeigt - und in der kombi auch oben). das tolle bei dem rock ist, dasss er super fürs reste vernähen geeignet ist. mit ein bisschen stückeln reichten die reste vom nikkipulli für den rock. jetzt kann ich es zusammen wie ein kleid anziehen. supercool.

gehört habe ich beim blogpost-schreiben: tod und mordschlag - sich selbst. / quetschenpaua - scheiß rassisten./ sookee feat special k - spuck auf rechts. / superfruit, mary lambert, mario jose, brian justin crum - rise (katy perry cover).  / the casualties - we are all we have. / antilopengang - beate zschäpe hört u2.
 
verlinkt bei: freutag, asaw, wiederholungs-täter_innen-sew-along, einfach bunt und zur aktivimus-sammlung von frau jule darf der post dann natürlich auch noch :)

Kommentare:

  1. Ich finde auch beide Aspekte sehr wichtig. Niemand hat etwas davon, wenn du oder ich oder andere ausbrennen. Es ist gut und wichtig einen Rückzugspunkt zu haben, an dem man Kraft sammelt, um dann damit weitermachen zu können. Ohne geht's nicht.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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  2. Ach ja, es ist mitunter ein Graus, was sich alles so an Dingen und manchmal auch Abgründen auftut. Für mich ist Kreativität ein super Ausgleich, weil es schön, hell und lustvoll ist und weil man so herrlich darin versinken kann. Da ist dann alles an Politik und der sonstige STress bei der Arbeit weggeblendet, und das tut gut. Danke für die schönen Schachteln und die Gedanken zu allem. LG. Susanne

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  3. danke für diesen beitrag! und wie fabelhaft die beiden streichholzschachten mit den texten dazu passen.
    liebst,
    jule*

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  4. Gute, wichtige Worte! Auch ich möchte so gerne immerzu unbequem, mutig u selbstreflektiert sein u nie in die andere Richtung gucken ... doch ich geb s offen zu, es klappt nicht immer ... aber ich bleibe drann! Lasst uns alle drann bleiben ohne uns zu sehr selbst zu zermürben! Hannes

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  5. Ich dachte du hättest statt die Tatzen als Rebellion extra Fische genäht... hihi. Mir gefällt die Variation sehr!
    Aber Spaß beiseite, die politische Situation in der Welt macht mir auch schon Angst. Egal, wo man sich dreht ist Chaos, Rassismus, Wut und Frustration. Auch als weiße hetero mit einem deutschen Pass bin ich in den Augen mancher eine "Fremde"! Wobei ich in 20 Jahren nur ein einziges Mal eine "Braune Begegnung" hatte. Ich habe vergessen, was gesagt wurde, aber das extrem unangenehmes Gefühl werde ich nie vergessen.
    Eine kleine Frage hätte ich aber auch... davon abgesehen, dass Kapitalismus nicht gleich Kapitalismus ist... welche Alternative wäre da besser!
    Mhh... schönen Gruß,
    Betty

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    1. Liebe Betty,
      danke für deinen Kommentar und entschuldige, dass ich ihn erst jetzt veröffentliche - ich wollte mir Zeit nehmen zum antworten und die fehlte mir die letzten 2 wochen.
      danke für den netten kommentar zum block. und witzig, ich hatte die fische gar nicht gesehen...

      es tut mir leid, dass du auch mit nazi-mist konfrontiert worden bist. sie finden ja soviele gründe, zu hetzen und zu verletzen. und ja, es macht verdammt angst, die entwicklung hier und anderswo. umso wichtiger, sich dagegen zu wehr zu setzen! auf welche weise auch immer für eine_n passend ist.

      was diese kapitalismus-alternativen-frage anbelangt, so hab ich da auch leider keine schnelle antwort. ich glaube aber fest daran, dass es möglich ist eine gesellschaft so zu organisieren, dass sie solidarischer und gerechter ist. und vieleicht kann man nicht von heute auf morgen alles umwerfen, aber es gibt da schon einige ansätze, die dafür sorgen könnten, dass der montag nicht mehr so verhasst sein muss... bedingungsloses grundeinkommen zum beispiel oder die vier-in-einem-perspektive von frigga haug...

      meine utopie wäre wohl eine anarchistische gesellschaft, die kritisch reflektiert, wer was einbringen kann, in der aufeinander geachtet wird und in der es keine diskriminierungen und keine patriarchale struktur mehr gäbe...

      hach, schöner traum.
      nun aber aufwachen und anpacken, damit dass alles hier kein absoluter albtraum wird!

      machs gut, liebe grüße, lisa

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